lotte

Die 23 Jahre alte Stute Lotti hat einen langen Leidensweg hinter sich gebracht, bis sie in Ridders ein liebevolles Zuhause fand. Heute erzählt uns „die alte Dame“ ihre Geschichte, um ihr Frauchen Desi und ihre Freunde zu unterstützen.

Mein richtiger Name ist eigentlich Charlotte. Im Deutschen bedeutet das „die Tüchtige“. Ich persönlich ziehe die französische Bedeutung vor. Dort heißt es „die Anmutige“. Darauf lege ich ziemlich großen Wert, auch wenn ich zu den gehörnten Sternzeichen gehöre. Mein Geburtstag ist der 24. März 1994 und ich bin eine Widderin. Das sieht man mir zwar nicht an, aber ich bin ziemlich zäh.

Mein Papa hieß Lebus, wie die Stadt in Brandenburg, und meine Mutter Smartie. Mit sechs Monaten wurde ich von meiner Mama getrennt und kam als Absetzer auf eine Koppel zu anderen Ponys. Absetzer nennt man Fohlen, die von der Mutter getrennt und nicht mehr mit Milch ernährt werden.

Die anderen Ponys waren alle schon viel größer und stärker als ich und ich hatte furchtbare Angst vor ihnen. Ich wollte unbedingt zurück zu meiner Mama. Deshalb bin ich schon nach 15 Minuten durch den Weidezaun gehetzt und im Graben gelandet. Von dem dummen Zaun hatte ich überall klaffende Hautwunden und blutige Schnitte und meine Beine taten auch ganz furchtbar weh. Meine damaligen Menschen haben mich gesund gepflegt und dann musste ich wieder auf die Koppel. Aber immerhin haben mich die anderen jetzt in Ruhe gelassen.

„… im Aquatrainer habe ich langsam wieder laufen gelernt“

Bis zu meinem fünften Lebensjahr bin ich dann dreimal umgezogen. Auf einmal war ich vorne lahm. Der Pferdedoktor hat dann einen Griffelbeinbruch festgestellt. Ich wurde operiert und musste ganz lange still stehen bleiben, damit der Bruch verheilt. Im Aquatrainer habe ich dann langsam wieder laufen gelernt. Das ist so eine Art Schwimmbecken für Pferde. Nach sechs Wochen konnte ich wieder nach Hause, aber raus durfte ich noch nicht. Jeden Tag nur 10 Minuten gehen, weil meine Beine mich noch nicht so richtig tragen konnten. Dummerweise habe ich deswegen nach einem Vierteljahr eine schlimme Sehnenentzündung bekommen und musste wieder in die Pferde-Klinik.  

„… mit Globuli und Mash wieder auf die Hufe gebracht“

So ging das dann gefühlt jahrelang: Von der Klinik nach Hause. Ein langsames Aufbauprogramm und wieder eine Sehnenentzündung. Dann eine Entzündung im Röhrbein und dann einen so stark geschwollenen Fesselträger, dass ich operiert werden musste. Nach zwei Jahren konnte ich endlich wieder auf meiner geliebten Koppel herumtollen. Ich hatte dann nur noch einmal eine schlimme Magenschleimhautentzündung. Meine Menschen wollten mir (vor allem meinen Beinen) die holprige Fahrerei im Pferdeanhänger zum Doc nicht mehr zumuten und haben mich ganz lieb mit Globuli, diesen kleinen homöopathischen Kügelchen, Ölmassagen und Mash und Rübenschnitzeln wieder auf die Hufe gebracht.

„… die schönste Zeit meines Lebens“

Es ging mir so gut, dass ich 2008 gedeckt und im März 2009 selbst Mama geworden bin. Gemeinsam mit meiner Tochter Bella Donna auf der Koppel stehen zu können, das waren die schönsten Monate meines Lebens. Als Bella ein knappes halbes Jahr alt war, bin ich beim Spielen in ein Loch getreten. Fesselträgerbruch hinten rechts! Ich musste schon wieder in die Klinik. Aber immerhin war ich diesmal nicht alleine, weil Bella mit war.

Der Bruch ist dann auch ganz gut verheilt, aber durch die vielen Verletzungen und das häufige Stehen, machte sich langsam eine Arthrose bemerkbar. Ich hab dann noch eineinhalb Jahre kleinen Reitschülern das 1x1 des Reitens beigebracht, als meine Menschen 2013 ihre Reitschule aufgeben mussten.

 „… der Tierarzt hat empfohlen mich einschläfern zu lassen!“

Zwei andere Menschen aus dem Stall haben mich vor dem Pferdeschlachter gerettet und zu sich geholt. Ich hatte damals jede Menge Wehwehchen. Während ich ganz dünn wurde, wurden meine Fesselträger immer dicker. Der Tierarzt hat dann EOTRH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis) festgesellt. Das ist eine extrem schmerzhafte Zahnkrankheit, die vor allem ältere Pferde wie mich trifft. EOTRH ist wirklich eine Qual und galt lange Zeit als untherapierbar. Der Tierarzt meinte, man könne entweder schauen, wie lange ich überhaupt noch etwas fresse oder mir alle Schneidezähne ziehen, was in meinem Alter aber ein sehr großes Risiko darstellen würde. Angesichts der vielen gesundheitlichen Probleme und der unübersehbaren Schmerzen die ich hätte sowie aufgrund meines hohen Alters würde er empfehlen, mich einschläfern zu lassen. 

Lotti und Desi

Desi und Lotte auf der Koppel

Zum Glück habe ich dann mein heutiges Frauchen Desi kennengelernt. Desi hat meine Besitzer überredet, mir noch eine Chance zu geben und und eine Gruppe ins Leben gerufen, die sich „Lottes Chance“ nennt. Alle gemeinsam kümmern sich um mich und passen richtig gut auf mich auf. Ich bekomme spezielle Futterzusatzmittel, die mir richtig gut helfen und irgendeiner aus der Gruppe kommt jeden Tag vorbei und verwöhnt mich mit Leckerlis. Am liebsten mag ich es, wenn Desi oder einer der anderen mit mir auf der Koppel spielt und kuschelt. Desi schimpft zwar auch oft mit mir, weil ich nicht so doll toben soll, aber das macht sie nur, weil sie Angst hat, dass ich mich wieder verletze.

Eure Lotti

P.S. Lotti erhält täglich Mash, Oldi-Kraftfutter und AniPlus Grünlippmuschelpulver. Letzteres schmiert die Gelenke und hilft auch im Alter. Zusätzlich erhält die alte Dame Kräuter für die Atemwege gegen den Staub im Stall und Kräuter für Magen & Darm. InsectShock – ein angenehm riechendes Insektenspray – hilft ihr, im Sommer die Fliegen und Bremsen fern zu halten.

 

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